Funchal

Noch etwas müde in den Beinen von den steilen An- und Abstiegen bei der gestrigen Wanderung wollen wir uns heute Funchal anschauen. Außerdem soll das Wetter nochmal durchwachsen (nach Madeira-Definition) werden und bietet sich damit für eine Stadttour an.

Am Morgen können wir von unserer Terrasse einen schönen Regenbogen beobachten. Heute soll der letzte Tag des Sprühregen-Sonne-Mixes sein bevor für den Rest des Urlaubs nur noch Sonnenschein mit ein paar Wolken angesagt ist. Das Frühstück lassen wir ausfallen bzw. verschieben es auf ein Café in Funchal. Von Paul do Mar brauchen wir eine Stunde bis in die Altstadt von Funchal nachdem wir untertags über Fajã da Ovelha fahren müssen. Die Straße östlich von Jardim do Mar ist wegen Bauarbeiten an einem neuen Tunnel zwischen 8:30 und 18:00 Uhr gesperrt. Die westliche Alternative bietet zwar wunderschöne Ausblicke, ist aber genauso anstrengend über enge Straßen und Serpentinen zu fahren. 

In einem Forum haben wir gelesen, dass das Parkhaus direkt an der Talstation der Seilbahn nach Monte nur 5 Euro pro Tag kostet und fahren deshalb direkt ins Zentrum. Wir sehen dann zwar, dass dies mittlerweile max. 10 Euro pro Tag sind aber damit können wir auch leben. Hungrig und unterkoffeiniert steuern wir das erstbeste Café an. Dass es nicht der Brüller war, überrascht dann auch nicht. Wir nehmen je einen Cappuccino und ein Pastel de Nata. In Portugal ist ein Cappuccino meist mit süßer Schlagsahne statt aufgeschäumter Milch, d.h. die Güte des Kaffees schmeckt man eh nicht. Und bei Pasteis de Nata sind wir glaube ich einfach schon zu verwöhnt aus Lissabon.

Zwei Ecken weiter ist schon der bekannte Mercado dos Lavradores. Samir hat in Foren gelesen, wie extrem aufdringlich die Verkäufer, vor allem im Zweiten Stock bei den Obstständen seien und ihre Ware zu Wucherpreisen den Touristen aufdrücken. Es soll sogar vorgekommen sein, dass den Touristen ungefragt Fruchtaufstriche auf die Hand geschmiert wurden. Über den Osteingang kommen wir als erstes in die Fischhalle. Dort gibt es vor allem noch ganze oder große Teile von Thunfischen und Schwarze Degenfische, die wohl wenig geeignet für Touristen sind. Entsprechend werden wir gar nicht beachtet. In der Obsthalle bewirbt dann aber tatsächlich jeder deutlich seine Ware. Zweimal wird Samir auch mit einem aggressivem „Try this“ angegangen. Ich bekomme davon nichts mit, ein Hoch auf meine Ignoranz! Wir suchen dann auch relativ zügig wieder den Ausgang.

Weiter gehen wir in die Rua de Santa Maria. Dies ist die älteste Straße Funchals und deren heruntergekommene und verlassene Gebäude, im besonderen die Haustüren, wurden 2011 von einer Künstlerinitiative kreativ gestaltet, was zum Aufleben dieses Straßenzugs geführt hat. Insbesondere Kneipen haben sich hier wieder angesiedelt. Auch hier wechseln wir irgendwann die Straße nachdem wir alle paar Meter in ein Restaurant gebeten werden. Am Hafen entlang gehen wir noch bis zum Forte São Tiago und dann zur von Samir ausgesuchten Taberna Madeira zum Mittagessen. Wir nehmen dann doch die etwas exotisch klingende Empfehlung des Kellners: Thunfischbau und frittierter Schwarzer Degenfisch. Den hatten wir mit seinen furchteinflösenden Zähnen auch am Fischmarkt gesehen. In einer Art Fischstäbchenform ist er deutlich ansehnlicher und schmeckt auch sehr gut und kaum fischig. Bei der Rechnung sind wir etwas über die portugiesische Mathe erstaunt, dass bei Einzelposten von 30,90 Euro, 40 Euro auf der Rechnung steht. Nachgefragt einigen wir uns auf 31 Euro. Wir werden wohl nie erfahren ob das auch wieder eine Touristenmasche gewesen sein soll oder einfach nur ein Fehler. 

Dann wollen wir uns noch einen Garten anschauen. Nachdem die hochgelobte Quinta de Boa Vista wohl wegen Covid noch geschlossen ist, wollen wir zum Jardim Botânico gehen. Das war, bevor wir wussten, dass uns ähnliche Steigungen wie gestern erwarten. Voller Freude, dass die Beine und Kniegelenke von gestern nicht mehr wehtun, laufen wir los und am Ende sind es wieder 260 hm bis zum Botanischen Garten. Dieser ist gigantisch und hat auch ein schönes Café mit günstigen Preisen. Das einzige was ärgert ist, dass Samir nicht den beworbenen Maracuja-Käsekuchen bekommt, weil der schon aus ist. Im Garten sehen wir vor allem an den Hibiskusblüten an jeder Blume eine Hummel. Manche Hummeln scheinen in den Blüten teils auch zu mehreren eine Siesta zu machen. Und lassen sich dabei auch durch nichts stören. 

Der Abstieg geht dann etwas schneller und in der Stadt nehmen wir noch von einem richtigen Bäcker Pasteis de Nata mit. Auf dem Weg nach Hause machen wir noch in Câmara dos Lobos halt, weil mein Chef hier eine sehr gute Poncha getrunken hat, das Nationalgetränk von Madeira. Das ist eine Mischung aus Zitronensaft, Aguardente und Honig. Das gleiche Lokal scheint es nicht mehr zu geben, aber wir finden in der Bar Filhos D‘Mar wohl DAS Ponchalokal auf Madeira. Zunächst wirkt die Athmosphäre etwas uneinladend. Es scheint keine Bedienung zu geben und ich bestelle am Tresen. Wir beobachten Tauben, die in jedes Lokal, teils auch auf den Tischen spazieren und sich niemand darum schert. Der klassische und Samir‘s Maracuja-Poncha sind unglaublich gut und auch stark. Und am Ende bekommen wir auch noch ein Schnapsglas einer weiteren Poncha Variante (Vasco da Gama) ausgegeben. Für unsere zwei Ponchas bezahlen wir dann 6 Euro. Und am Ende stellt sich noch heraus, dass der Wirt fließend deutsch spricht. Er meint, lediglich die Schweizer versteht er nicht. Hier waren wir sicher nicht das letzte Mal! Ggf. können wir hier ja auch zum Public Viewing. In der Bar hängt ein Fernseher und die Bar ist zur Hälfte voll mit Ronaldo Reliquien, wohl weil er diesen auch persönlich kennt. Zuhause auf der Terasse schaut dann Samir noch die zweite Halbzeit des Spiels Niederlande gegen Österreich (Endstand 2:0) und erfahren dann noch, dass Lissabon wegen der indischen Delta-Variante von Covid erstmal für wenige Tage in den Lockdown geht, d.h. niemand ohne triftigen Grund aus Lissabon heraus oder hinein darf. Zum Glück sind wir bereits auf Madeira.

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Belém