Lombada da Ponta do Sol

Besser als der Wetterbericht sind wohl Webcams, um zu beurteilen, ob Wanderungen in den Bergen Madeiras machbar sind. Daumenregel: wenn mehr als das halbe Bild hellgrau (=Wolken) ist, dann besser im Tal bleiben. Und so entscheiden wir uns heute gleich dazu, die Wanderung Lombada da Ponta do Sol in ein Tal  an der Südküste zu machen.

Am Morgen wachen wir mit wunderbarem Meerblick und Sonnenschein auf. Nicht nur uns taugt die Aussicht, auch eine Hummel hat sich auf unserer Hängematte niedergelassen und legt gerade eine Pause ein. Zum Frühstück probieren wir die Papaja-Zitronen-Marmelade, die ich im Schulbauernhof in Prazeres gekauft habe. Auf netmadeira.com finden wir ein paar Webcams und sehen wie der Pico do Arieiro in Wolken gehüllt ist. Überhaupt dominieren die letzten 30 Tage die Wolken. Auf jeden Fall ist heute kein Tag, um sich nochmal in die Berge zu wagen und wir schwanken nun zwischen der Wanderung zum Cabo Girão (Rother Tour 5) und der Lombada da Ponta do Sol (Rother Tour 9). Am Ende klingt Nummer 9 doch vielversprechender mit mindestens einem Wasserfall und der Tatsache, dass man zum Cabo Girão nicht unbedingt wandern muss. 

Ausgangspunkt der Wanderung ist die Kirche in Lombada bei Ponta do Sol. Ab Ponta do Sol führen teils enge Bergstraßen durch den Ort und an einer Stelle fahren wir nicht nach Navi Vorgabe weil ich schlicht nicht gesehen habe, dass dort eine befahrbare Straße hätte sein sollen. Aber schließlich kommen wir bei der Kirche an und finden dort auch bequem einen Parkplatz. Zunächst müssen wir eine der steilen Straßen knappe 100hm nach oben gehen bis wir auf die Levada Nova stoßen. Ab dort geht es dann aber immer gerade der Levada entlang. Etwas Schwindelfreiheit muss man wohl mitbringen, denn der Fußweg verläuft immer auf dem circa 40cm breiten Betonstreifen seitlich der Levada und teils ohne Seilabsicherung. Und die Levada Nova ist die ganze Zeit, mal mehr mal weniger stark ausgesetzt. Umso eindrucksvoller ist dafür die Landschaft mit Blicken auf der einen Seite zum Meer und auf der anderen Seite immer tiefer in den Talkessel hinein. An den reichlichen Blumen sind wieder zahlreiche Hummeln und ein paar Schmetterlinge beim Nektar sammeln. An einer lupinienartigen Blume sogar 10-20 Hummeln.

Schon ziemlich am Ende des Tals ist der Weg sogar in den Fels unter einen Wasserfall geschlagen. Der Wanderführer verspricht auch noch einen zweiten Wasserfall, aber dieser ist unterhalb des Weges und wegen Bäumen und Sträuchern kaum einsehbar. Der Weg endet an einer Stelle, wo von der anderen Talseite drei Zuleitungen zur Levada geführt sind. Für den Rückweg steigen wir über eine Treppe zur etwas unterhalb liegenden Levada do Moinho ab. Diese verläuft dann so gut wie parallel zur Levada Nova, nur eben 50-80hm tiefer. Diese ist dann auch nicht mehr so ausgesetzt und verläuft statt am Felsen im Wald. Wir laufen auch nochmal unter einem kleinen Wasserfall hindurch und haben ab der Hälfte des Rückweges auch unseren Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung, die Kirche in Lombada im Blick. Den Weg säumen auch einige große Eukalyptusbäume und einige Ableger davon und wir überlegen, wie wir hier vielleicht Koalas ansiedeln könnten.

Von Lombada fahren wir dann für das EM-Fussball-Spiel Portugal-Deutschland nach Câmara dos Lobos zu der Poncha Bar, die wir schon vor zwei Tagen entdeckt und liebgewonnen haben. Beim Spiel ist fast die erste Halbzeit um und es steht 1-2 als wir dort ankommen. Wir haben wohl auch Glück, dass noch ein Zweiertisch frei ist und bestellen auch gleich zwei Ponchas. Samir ist mit seiner Tangerine Poncha nicht so glücklich, ich dafür mit Vasco Da Gama, wo wohl auch Kokos mit drin ist, umso mehr. Das Spiel geht am Ende 2-4 aus. Als Österreicher sind wir zum Glück sicher. Selbst untertags auf der Wanderung habe ich betont, dass wir aus Österreich sind, als uns eine Dame auf Deutsch etwas über den Wasserfall erzählen wollte. 

Zwischen den Spielen gehen wir dann auf Empfehlung der Wirtin im Filhos D‘Mar in die Deserta Pequena etwas essen. Es ist ein eher nobles In-Lokal, Preis-Leistung ist aber sehr in Ordnung. Im Gegensatz zum Time-Out Market bekomme ich hier eine Fischsuppe aus richtigem Fisch und Samir ist auch schwer begeistert von seiner Tomatensuppe mit pochiertem Ei. Zum Spiel Spanien-Polen gehen wir wieder zurück ins Filhos D‘Mar. Diesmal möchte ich auch Madeira Wein probieren und der Besitzer ist da wieder etwas leidenschaftlicher dabei und erklärt mir, dass sein Cousin den besten und meistprämierten Madeirawein herstellt. Ich bekomme auch gleich vier verschiedene Kostproben und hätte damit wahrscheinlich schon genug Madeirawein gehabt. Von einem lasse ich mir das Glas dann noch normal einschenken. Am Ende frage ich mich wieder, wie diese Bar Profit macht, wo jedes Glas nur 3€ kostet… Als wir gerade zahlen wollen kommen wir noch mit einer Portugiesin und ihren zwei deutschen Airbnb Gästen ins Gespräch, die dankbar unseren Tisch übernehmen.  Etwas schwierig an dieser Dreiergruppe ist, dass die Portugiesin zwar super Englisch spricht aber die Deutsche nur deutsch. Ihr Mann muss dann immer übersetzen. Wir bekommen dabei noch ein paar Tipps, zum einen von der Portugiesin, zum andern vom deutschen Ehepaar, das schon seit 20 Jahren nach Madeira kommt. Samir bringt uns dann sicher nach Hause und ich mache nach der Madeiraweinverkostung besser den Navigator/guten Beifahrer.

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Belém