Canadian, eh?

Der witzigste Spruch des Tages war von Chris: „Canadian, eh!? I like hockey. Timmies yeay!“

Mit Timmies ist Tim Hortons, DIE kanadische Kaffeekette à la McCafé gemeint. „Eh“ hängen Kanadier gerne an Sätze was in etwa wie ein „,oder?“ oder „nicht wahr?“ Verwendet wird. Und ja, über dass die Kanadier gerne Hockey spielen, das ist ja bekannt. Einer unserer Nachbarn für diese Nacht stützt sogar sein einsinkendes Dach mit einem Hockeyschläger ab.

Zum Frühstück macht Chris, wieder in einem Topf statt Pfanne, ein Dutch Baby. Es ist eine Mischung aus Omelette und Pfannkuchen, mit viel Butter. Die anderen mögen es, ich muss das nicht haben. Beim Auto einräumen denken wir eigentlich, dass Chris auch gesehen hat, dass das mit dem Eis eine schlechte Idee ist, damit die Lebensmittel zu kühlen. Aber nein, wir machen das heute wieder. Auch als er den Kofferraum nochmal von dem gestrigen Wasser trocknen muss, ist das überhaupt kein Problem.

Wir fahren etwa eine Stunde nach Norden zum Parkplatz Dawson Falls, von denen der Rim Trail zu den Helmcken Falls führt. Es ist ein schmaler Waldweg, der entlang des Flusses führt, der mit starker Strömung Richtung der Helmcken Falls führt. Die Wasserfälle sind der Wahnsinn und unser Puls geht merklich hoch. Auf dem Rim Trail ist nichts abgesichert, auch nicht, als man links des Wasserfalls am Abgrund steht. Wir bewegen uns hier sehr vorsichtig, versuchen uns für den guten Blick und Fotos, vorsichtig zu nähern. Obwohl man wohl den besseren Blick auf die ganze Szene von der Plattform gegenüber hat, die man per Auto erreichen kann, ist es einmalig, hier in der Wildnis, am Abgrund, in der Einsamkeit zu sein. Auch ahnend, dass ein paar Meter unter dem Vorsprung auf dem wir stehen, nichts ist. Was wir auch von der anderen Seite nicht gesehen hätten: 2 Regenbogen am Fuße des Wasserfalls.

Als wir zurückgehen schaut es schon sehr nach Regen aus, aber er hält sich noch zurück. Wir gehen vom Parkplatz aus noch in die entgegengesetzte Richtung zu den Dawson Falls. Vom Anfang des Weges sehen wir eine Brücke in der Nähe von tosendem Wasser, von der wir denken, dass das der Spot ist, die Dawson Falls zu sehen. Es geht aber noch ein Stück weiter nach Osten bis zu den Fällen. Als wir aber zu der Plattform der Helmcken Falls fahren, fahren wir genau über diese Holzbrücke, was wirklich spektakulär und ein bisschen pulstreibend war. Als wir auf der Aussichtsplattform waren, war der Himmel leider schon recht zugezogen. Für die extra spektakulären Bilder reicht damit leider das Wetter nicht. Und natürlich hatten wir nicht die gleiche Dramatik wie auf der anderen Seite. Zur Info: Die Helmcken Falls sind 3x höher als die Niagarafälle. Gerade als wir zurück beim Auto sind, fängt es auch mit einem mal stark zu regnen an. Perfekt, jetzt können wir auch 3 Stunden nach Kamloops fahren.

Im Tim Hortons in der Nähe unseres Airbnb’s in der Holt St. 560 treffen wir Chris und Bettina. Die beiden haben sich seit dem 12.5. Von Vancouver über das Okanagan Valley nach Kamloops durchgearbeitet, mit Wine Tastings und Radtouren. Über Timmies muss man sagen, dass es wirklich super billig ist. Samir und ich zahlen für 2 Kaffee und 2 Muffins 6,75 CAN, etwa 5€. Das Airbnb ist 60er/70er Jahre Haus. Küche und Essecke sind noch original, im Wohnzimmer und den Schlafzimmern wurde insbesondere mit Accessoires mit Hundemotiven nachgerüstet. Der Garten ist einigermaßen gepflegt, nur die Sitzecke und der Gemüsegarten sehen etwas verwahrlost aus. Gruselig finde ich aber den Keller, wo in einem Raum mit Waschmaschine noch ein Schreibtisch mit Stuhl steht. Im anderen Kellerraum, der über eine offene Treppe mit Eingang und Wohnzimmer verbunden ist, steht noch ein Doppelbett. Ich würde hier sehr ungern schlafen müssen. Sogar lieber noch auf den Sofas im Wohnzimmer.

Wir Mädels und Samir fahren dann noch zum Flughafen, um uns für Bettinas Auto registrieren zu lassen. Es ist ein wirklich kleiner Flughafen, alles ist eine Halle inklusive Gepäckband. Keiner der 3 Autovermietungsschalter ist besetzt, alle sind nur kurz weg. Irgendwann kommt der Angestellte von Budget und meint, dass die andern beiden beim Autowaschen sind. Er wird sie mal rufen. Dann kommt die Dame von National Cars, die davon aber noch nie gehört hat und muss ihren Kollegen von Enterprise, auch vom Autowaschen rufen. Es ist wohl schon eine viertel Stunde vergangen, bevor dann einer junger Kerl auftaucht, der, obwohl gar nicht zuständig, die Sache in die Hand nimmt, bei Alamo in Vancouver anruft und die Daten durchgibt. Ich frage mich, ob das überhaupt eine offizielle Vereinbarung der Vermietungen ist, sich auszuhelfen. Ich meine, dass Enterprise hierfür nichts bekommt.

Die anderen Jungs haben in der Zeit Bier besorgt und Pizza bestellt, die wir im Garten essen. Nach dem Essen machen die Jungs ein Feuer in der eingelassenen Feuerstelle. Irgendwann kommt der Nachbar zu uns an den Zaun und macht uns darauf aufmerksam, dass wir vorsichtig mit dem Feuer sein sollen, weil das verboten ist. Die Feuerstelle ist noch von anno dazumal, als es dieses Gesetz noch nicht gab, die früheren Besitzer hätten diese aber auch nie benutzt, meint der Nachbar. Er bietet uns gleichzeitig noch mehr Feuerholz von sich an. In Deutschland hätten die Nachbarn wohl schon längst die Polizei gerufen. Ich liebe Kanada!

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