Olá Lisboa

Letztes Jahr im Mai, als wir eigentlich nach Madeira aufbrechen wollten, haben wir das Haus nur für das absolut notwendigste verlassen, d.h. den Großeinkauf im Supermarkt, der für 3 Wochen reichen sollte. Flüge waren längst eingestellt und Freunde hatten im März kurz nach dem Lockdown große Probleme von ihrem Malta Urlaub wieder heimzukommen. Heute sind wir beide ein- und zweimal geimpft und „wagen“ das absolut Unglaubliche: wieder in den Urlaub zu fliegen.

Die Woche vor dem Urlaub war noch voll stressiger Vorbereitungen. Ich kam am Montag erst aus Deutschland zurück und an allen verbleibenden Abenden haben wir eine Gartenbewässerung installiert, Bienen versorgt und eine Urlaubsvertretung gesucht (jaja, so ist das mit „Haustieren“) und 3qm dichtgepflanzten und hochgeschossenen Spinat geerntet, geputzt, gehackt und eingefroren. Insgesamt 8h war Samir damit beschäftigt zzgl. meine 2h für die Ernte. Außerdem muss für die Einreise nach Portugal auf dem Luftweg ein negativer, max. 72h alter PCR Test vorliegen. In Wien könnte man diesen kostenfrei bei jedem BIPA machen. In Oberösterreich finden sich nur private Anbieter, die dafür 60-150€ verlangen. Bei der 60€ Variante fanden wir uns schließlich auf einem relativ einsamen Bahnhofsgelände wo lediglich ein Fahrsichheitsparcour aufgebaut war und ein Container für die Tests stand mit zwei jungen Burschen in medizinischer Seuchenvollmontour. Das hätte auch in Breaking Bad sein können. Beim PCR Test wird sowohl ein Rachen- als auch ein Nasenabstrich gemacht. Samir ging bei der Nase in die Knie, ich beim Rachen. 

Der Start in den Urlaub beginnt dann damit dass Samir den Stress kriegt, als ich noch im Jour Fixe mit meinem Chef bin. Zum Glück waren wir diesmal schneller mit den Themen durch und Helge gibt mir gerade noch ein paar Madeira und Lissabon Tipps als Samir die LAN-Verbindung abdreht und mein Laptop in die Knie geht.

Einen Schlüssel lassen wir dann noch bei einer Freundin in Linz und fahren von dort aus erst mit Bus, dann Zug zum Wiener Flughafen. Es stellt sich heraus, dass man keine zwei Stunden vor einem innereuropäischen Flug am Flughafen sein muss. Aber wie soll man sich an solche Richtwerte noch erinnern, wenn man so lange nicht geflogen ist? Das Flugzeug der TAP war dann eher eine Sardinenbüchse ohne Abstandsregeln und es gab keinen einzigen Monitor, wo der Flugfortschritt zu erkennen war. Außerdem waren 4 oder 5 Kleinkinder an Bord, von denen eines unmittelbar hinter uns über 2/3 der Flugzeit sich die Seele aus dem Leib geschrien hat. 

In Lissabon gelandet haben wir die Metro bis zur Praça da Figueira genommen. Beim Check-In im Great Stay Lisboa haben wir dann noch eine sehr gute - aber nach dieser Reise zu langwierige - Sightseeing-Empfehlung bekommen, bis wir endlich das Schlafdefizit der Woche nachholen können. 

Am Samstag morgen finden wir dann gleich um die Ecke ein wunderschönes Café zum Frühstücken/Mittagessen mit Blick auf den Elevador de Santa Justa. Es scheint auch deshalb eine gute Wahl zu sein, weil bei jedem frei werdenden Tisch schon wieder die nächsten Gäste warten. Samir überzeugt das Sauerteig Brot und das Omelette, sodass das „Copenhagen Coffee Lab“ als Frühstücksplatz auch für die nächsten Tage gesetzt ist. Wir ziehen weiter zum Elevador de Santa Justa und in die Rua Augusta. In der Manteigaria gibt es das erste Pastel de Nata mit Ginja (portugiesischer Kirschlikör). Es ist schließlich schon kurz nach 13 Uhr - in dem YouTube Video, das wir zu Restaurants in Lissabon gesehen haben, hatten die beiden um diese Zeit immerhin schon drei hochprozentige Getränke intus. Durch den Arco da Rua Augusta kommen wir zum Praça do Comércio und zu Tejo, also fast schon ans Meer. Diese Gegend ist zumindest dieses Jahr geprägt von Drogen verkaufenden Sonnenbrillenhändlern, Bettlern und betrübten Clowns, die Luftballons gegen ein bisschen Kleingeld verschenken, also am Ende auch nur betteln. Bis zum Ende des des Tages wurden wir in dieser Gegend 15 mal mit „smoke“ oder „hash“ angesprochen - immer ganz unauffällig im Vorbeigehen.

Weiter gehen wir durch die engen Gassen von Alfama, durch die die kleine, gelbe Straßenbahn hinauffährt. Wir schauen uns die Kirche Sé de Lisboa und die Gärten der Igreja de Santa Luzia an. Um die nächste Kurve entdecken wir einen Stand mit den wohl besten Caiprinhas der Stadt, direkt in der Ananas serviert. Zweites hochprozentiges Getränk um 14:30! An der Igreja da Graça können wir von einem Aussichtspunkt zum Castelo de São Jorge und der Ponte 25 de Abril schauen. Weiter geht es zur Igreja de São Vicente da Fora und zum Panteão Nacional. Bei letzterem ist die Terrasse zugänglich und wir können ringsum zum Tejo schauen. Dann geht es weiter mit den Restauranttipps zum Trobadores - Taberna Medieval, wo man mittelalterlich Met (eisgekühlt) und eine Chorizo asado bekommt. D.h. die noch rohe Wurst und eine Schale von etwas hochprozentigem werden an den Tisch gebracht, angezündet und der Gast kann selbst so lange grillen, wie er möchte. Obwohl Samir mir im einen Moment noch zugesichert hat, er habe alles unter Kontrolle, renne ich keine Minute später mit einem brennenden Pack Servietten aus dem Brotkorb aus dem Lokal hinaus. 

Am Abend gehen wir um den Elevador de Santa Justa herum über das Bairro Alto vorbei an der Ruinenkirche Convento de Carmo nach Cais do Sodré zum Time Out Market. Es ist schwierig einen Tisch zu finden, nachdem man Abstandsregeln einhalten muss. Mit ein paar portugiesischen Apetizern und einem Meeresfrüchterisotto haben wir richtig Glück. Einer Fischsuppe fehlt leider jegliches Salz und fast jeglicher Fisch. Die Weinbar erweist sich auch als richtig gut. Auf dem Heimweg gehen wir am Fluss entlang über den Praça do Comércio und nehmen den „Sonnenbrillenhändlern“ wieder keine Drogen ab.

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