Coffs Harbour, Dorrigo Rainforest Centre … und ein Hahn

Wir hatten gestern unseren Wallie an einem kleinen Strand etwas nördlich des Zentrum von Coffs Harbour abgestellt (Macaulay’s Headland Beach). Auf dem kleinen Parkplatz waren noch 6 andere Autos, mehr geben die eingezeichneten Parkbuchten auch gar nicht her. Gegen Sonnenaufgang fahren einige Autos die Sackgasse zum Parkplatz herauf, dann auch ein paar wieder weg. Wir vermuten, dass die Leute einfach den Sonnenaufgang sehen wollen und schlafen weiter. Wenig später kräht ein Hahn mindestens 20 mal. Nagut, ungewöhnlich, aber soll er krähen – ein nicht ganz so stiller Schrei nach Aufmerksamkeit. Nach einer weiteren Weile verwandelt sich die Straße endgültig in die Wiener Tangente – ein Auto nach dem anderen. Als wir dann zu einer gesitteten Uhrzeit aufstehen, sind aus der eigentlich einen Parkplatzreihe 3 geworden, der Seitenstreifen der Zufahrtsstraße ist zugeparkt, vor Ort ist ein Van der Kaffee verkauft und die Zeugen Jehovas, es wimmelt von Surfern und mittendrin tummelt sich der Hahn.

Wir akzeptieren die Lage, machen uns Frühstück und gehen wie alle Leute an den Strand. Die Wellen sind in der Tat richtig gut und so bleiben wir auch noch eine Weile zum Bodyboard surfen da – immerhin haben wir einen heiß begehrten Parkplatz. Ab 10 Uhr wird es auch wieder deutlich ruhiger. Vermutlich kommen die Leute vor der Arbeit her, um ein paar schöne Wellen zu erwischen.

Samir ist ganz begeistert von dem Bodyboard, hat sich auch davor ein paar YouTube Videos dazu angeschaut, wie man am besten eine Welle surft, so recht will es aber nicht klappen. Auch meine Schwimmflossen helfen nichts und nach 5min ist die erste Flosse auch schon weg und nicht mehr auffindbar. Ich nehme dann auch mal das Bodyboard, als ich die Flosse verdaut habe und mich an das doch eher frische Wasser gewöhnt habe. Ohne YouTube Wissen schmeiße ich mich einfach auf die Welle und surfe bis zum Strand. So gelingt mir mehr als jede 2. Welle. Natur Talent eben!

Die Entscheidung fällt dann auch, dass wir einen Surfkurs machen. Im Reiseführer wird Byron Bay für einen Kurs empfohlen, was eh unser nächstes Ziel sein wird. Ich rufe bei Blackhound an und ergattere gerade so noch für den nächsten Nachmittag einen Kursplatz für uns – für insgesamt 3 Tage. Der Typ am Telefon warnt uns aber auch schon, dass Byron Bay gerade Ultra voll ist und in der Stadt nur kostenpflichtige Parkplätze sind. Eine Melbourne Wiederholung!

Nachdem wir nun noch mehr Zeit haben, als gedacht, fahren wir noch nach Westen auf den Waterfall Way. Laut Reiseführer ein Top Tipp in New South Wales, leider sind die schönsten Wasserfälle erst am Ende der 270km langen Bergstraße – was uns den ganzen Tag kosten würde. Aber zumindest bis Dorrigo und seinen Regenwald wollen wir kommen. Wallie hat schon etwas Mühe mit der Steigung. Umso erstaunlicher, dass uns ein LKW mit Anhängern auf die Pelle rückt, den wir am Ende sogar überholen lassen.

Am Regenwald Zentrum gibt es einen Skywalk, von dem man das ganze Tal überblicken kann. Daneben führt noch ein Rundweg zu 2 Wasserfällen. Mit über 6km ist er länger als gedacht und wir nehmen uns nur den Tristian Fall vor, für den wir eh lang genug brauchen. Der Weg ist aber sehr schön angelegt, immer durch dicken Regenwald. Hier sehen wir die gleichen Truthähne, die gestern das Mädchen mit der Gabel gejagt hat. Der Wasserfall ist nicht der spektakulärste, aber zumindest springen keine Chinesen oder Inder im Bild herum. Als wir wieder am Ausgangspunkt zurück sind, ist es erschreckenderweise schon 16:30 vorbei. Wir wollen heute zumindest noch bis Yamba, etwa eine Stunde vor Byron Bay kommen. Das Navi schickt uns allerdings nicht den gleichen Weg zurück sondern meint, eine schnellere, direkte Straße gefunden zu haben. Ehe wir uns versehen, sind wir mit mehr als 80km Bergstraße konfrontiert. Als wir das merken, dass das keine gute Idee ist, ist es auch schon zu spät und umdrehen lohnt nicht mehr. Nach 50km machen wir an einen „Driver Reviver“ mit kostenlosem Kaffee halt. Das ist eine Aktion in Australien, Fahrer mit kostenlosem Kaffee zu Fahrpausen zu locken. Wir sind sehr dankbar, denn für Samir ist das Fahren natürlich anstrengend, und mir ist mittlerweile schlecht.

In Yamba suchen wir uns wieder einen Parkplatz am Strand aus, allerdings scheint man hier nicht so entspannt mit Carcampern zu sein. Wir wussten zwar, dass wir in anderen Städten maximal „geduldet“ waren, aber so explizit mit Parkverbot von 12:30AM-5:00AM und Verbotsschildern zum Übernachten im Auto sind wir noch nie darauf hingewiesen worden. Wir parken trotzdem erstmal, essen und checken die Lage. Noch während dem Essen fahren 2 Polizeiautos auf – wie sich herausstellt, um einen Surfer zu suchen – trotzdem ist es einschüchternd. Als alle anderen Vans vom Parkplatz verschwinden, suchen auch wir Optionen. Wir machen einen Spaziergang zum Leuchtturm und finden etwas weiter die Straße runter ein paar scheinbar nicht verbotene Parkplätze. Die Helikopter- und Polizeieinsätze hören irgendwann auf, wir wissen aber nicht, ob die Person gefunden wurde. Jetzt hoffen wir erstmal, dass wir die Nacht hier stehen bleiben können und uns morgens kein Hahn weckt.

Related Articles