Tofino – Whale Watching und Kajaking

Meine Güte, und ein neuer Tag wo wir mit diesem Ausblick aufwachen. Heute ist es etwas bewölkter als gestern, was das Ganze aber kein bisschen schlechter macht. Die Wolken geben dem ganzen etwas malerisches.

Heute tauschen wir dann aber auch die Zimmer mit Astrid und Chris, entsprechend müssen wir die Rucksäcke soweit packen, als dass wir sie ins andere Zimmer runterbringen können. Ich muss ja sagen, dass ich nicht traurig bin, das Zimmer zu tauschen. Zumindest haben wir dann eine Tür am Zimmer – das Dachgeschosszimmer war türlos mit dem Flur und Wohnbereich verbunden. Die Tür ist doch wertvoll, wenn „Mitbewohner“ um 7 Uhr Früh auf die Idee kommen die Küche inklusive Spülmaschine und Gepolter aufzuräumen.

Nach dem Frühstück gehen wir dann mal der Kajakidee nach. Die anderen meinten, dass Touristeninfo als auch Kajakverleihe ihnen gesagt hätten, dass man sich privat keine Kajaks mehr in Tofino leihen kann, nur mehr SUPs. Unweit der Wohnung finden wir Paddle West Kayaking und fragen nach. Der Bursche im Verleih fragt uns nach Erfahrung mit Selbstrettung und Gezeiten, die wir selbstsicher beantworten. In Vancouver hätten wir die Selbstrettung geübt und mit dem Segelschein habe ich natürlich Erfahrung. Und so einfach kommen wir zu einem Zweierkajak, für 16 Uhr für uns vorbereitet. Als Route empfiehlt er uns entweder zum Big Tree, etwas nordöstlich zu fahren oder einfach nördlich in das Fjord hinein. Beides super für 4 Stunden Kayaking.

Dann fahren wir weiter an den Chesterman Beach. Es ist recht windig, ein paar Kajakfahrer bereiten sich am Strand vor, viele Hunde rennen über den langen Strand. Wir versuchen uns etwas im Frisbee werfen. Zuerst klappt das vor allem bei mir überhaupt nicht, aber wir merken schnell: Übung macht den Meister. Dann gehen wir noch etwas den Strand hinauf und Samir bringt mich dann zum Whale Watching Büro. Um 12 sollen wir da sein, eine halbe Stunde bevor es losgeht. Samir interessiert das nicht und wird wohl etwas mit Bettina machen, die wegen Reiseübelkeit ausgestiegen ist.

Schon nach kurzer Zeit sehen wir den ersten Weißkopfseeadler. Um diesen kreisen zwei kleinere Vögel, die ihre Nester schützen wollen und immer wieder den Adler attackieren, um ihn abzulenken und von den Nestern abzubringen.

Etwas weiter spottet die Crew auch schon einen Grauwal und verfolgen ihn. Wir merken wie sich die Boote absprechen und bald sind wir eines von circa 5 Booten, die einen Wahl verfolgen, in der Hoffnung, dass er irgendwann auftaucht. Angeblich tauchen Wale spätestens nach 7 Minuten auf. Theoretisch können sie aber bis zu 25 Minuten unter Wasser bleiben. Ein paar Mal fahren wir noch ein Stückchen weiter, ein paarmal meint die Crew, etwas zu sehen. Wir sehen nichts, die Zeit vergeht und ich verliere langsam die Lust, nachdem ich nur wegen der Orcas mit bin und es immer unwahrscheinlicher wird, dass wir noch nach einem 2. Wal suchen. Grauwale finde ich nach den Erfahrungen in Neuseeland und Argentinien einfach nicht mehr so spannend. Irgendwann gibt es auch die Crew auf, uns einen tollen Blick bieten zu können und wir machen noch eine Runde zu einer Seelöwenkolonie. Auf dem Rückweg bekomme ich dann auch etwas Kopfweh vom Geschaukel des Bootes. Wir sehen auch nochmal Weisskopfseeadler und erreichen endlich wieder ruhigere Gewässer. 3h hat die Tour gedauert, ich war mangels Orcas nicht begeistert. Wir bekommen aber einen Gutschein für eine weitere Bootstour, den wir wann immer einlösen können. Jamie’s Whale Watching wirbt nämlich mit einer Walsichtungsgarantie.

Zurück im Tourbüro wartet dann schon dieser süße Bärenreiter auf mich. Nach kurzem Umweg über Zuhause, damit ich mich wieder aufwärmen kann und etwas essen kann, gehen wir um viertel vor 5 zum Kajakverleih. Alec drängt uns, möglichst schnell ins Wasser zu gehen, wir dürften nämlich nach 20 Uhr / 20:30 Uhr nicht mehr allein draußen auf dem Wasser sein. Ich mache vorne den Navigator, Samir bestimmt hinten mit Pedalen, die die Finne hinten kontrollieren, die Richtung. Mit den vielen Inseln ist es leider gar nicht so einfach, die Karte und die Wirklichkeit zusammenzubringen. vor allem am Eingang zum Fjord tue ich mich schwer, zu wissen, wie weit wir nun schon sind. Nach einer Weile wird es aber ganz klar.

Tendenziell halten wir uns immer in einigem Abstand zum Ufer, nachdem rechts von uns weite Flächen Meeresboden durch die Ebbe zu Land werden und die Steigung hier sehr gering ist. Irgendwann halten wir mit dem Paddeln inne und genießen die Stille, die absolute Stille. Nachdem vorher noch ein paar Motorboote vorbeigekommen sind, ist es jetzt absolut still. Wir sehen nur noch eine Robbe, die genauso neugierig auf uns schaut, wie wir auf sie.

Plötzlich sehen und hören wir westlich von uns in der Bucht südlich von Lagoon Island ein mindestens 2 Meter hohes Blas aus dem Wasser kommen. Wir lenken sofort weiter nach rechts Richtung anderem Ufer. Wenig später noch ein Blas. Wir rätseln, ob sich ein kleiner Wal in die Bucht verirrt hat, wobei das Wasser an der gesichteten Stelle nur 4 Meter tief ist. Aber fest steht: wir haben ein sehr hohes Blas gesehen und möchten auf jeden Fall vermeiden, einen Wal zu nahe am Boot zu haben.

Wir arbeiten uns bis zur Adventure Bay vor. Hier hatte ich eigentlich wilde Natur erwartet, wo man vielleicht noch einen Bären am Ufer zu sehen bekommt. Stattdessen finden wir in dieser Bucht mehrere Flöße mit Häusern darauf, welche am Land festgekettet sind. Wir merken, dass es bewohnt ist, man hört auch Stimmen, sehen tun wir aber niemanden. Dann ist es auch Zeit, zurückzukehren. Wir müssen rechnen, dass nun immer stärker die Flut zurückkommt und wir merken auch dass wenn wir nicht paddeln nach einer kurzen Zeit auch zurückgetrieben werden (vorher ging es auch ohne Paddeln immer ein Stückchen vorwärts. Bei der Stelle mit dem vermeintlichen Wal sind wir wieder vorsichtig und schon sehen wir wieder ein Blas, diesmal allerdings auf der östlichen Seite, an welcher wir uns auch gehalten haben. So schnell es geht überqueren wir die Bucht auf die andere Seite und halten erst im halben Meter seichtem Gewässer inne. Es passiert jedoch nichts, nur die Robbe schaut nochmal vorbei. Wir geben es schließlich auf mit der Walbeobachtung und müssen ja auch zurück. Auf dem weiteren Rückweg wird immer wieder eine Robbe unser Begleiter. Wir merken auch, dass der Wind angezogen hat und das Rudern durch die halmoffene Bucht nicht mehr so leicht geht wie vorher noch. Samir’s Rücken meldet sich schließlich auch noch zu Wort. Am Ende meistern wir aber hervorragend, auch wieder aus dem Boot auszusteigen und für mich war es bisher die tollste Erfahrung in Tofino – trotz oder vielleicht gerade wegen dem Schreck mit dem vermeintlichen Wal (am nächsten Tag sollen wir lernen, dass es wahrscheinlich einfach nur ein Delfin war).

Wieder zuhause haben die anderen schon den Pizzaofen angeschürt und wir schließen uns dem erneuten Pizzabacken an. Samir liebt diesen Ofen!

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