Turtally Awesome - oder: Das südliche Great Barrier Reef

Der Oak Beach als Übernachtungsplatz erweist sich morgens um 5 als wahres Juwel. Vom Bett aus sehe ich den Sonnenaufgang und nach erstem Unwillen, aufzustehen, mache ich doch einen kleinen Strandspaziergang und ich werde von der Sonne belohnt. Um kurz nach 6 muss dann auch Samir aufstehen, denn um 7 läuft das Schiff der Lady Musgrave Experience im Hafen aus.

Zum Frühstück isst jeder nur schnell eine Banane und wir sind um circa 6:30 im Hafen. Das ist auch gut so, denn die, die kurz vor knapp kommen, finden keinen Parkplatz mehr auf der ausgewiesenen Fläche. Die Crew ist gut drauf, wir bekommen eine Sicherheitseinweisung wie in einem Flugzeug und schon geht’s auf die See. Obwohl nur eine Brise geht, nimmt das Schiff schon einige große Wellen mit. Die „Donation Bags“ (Kotztüten) werden auch schon verteilt. Mir geht’s (noch) gut, Samir möchte lieber auf das Freideck nach oben, wo es frische Luft gibt und man den Horizont fokussieren kann. Wie sagte der alte Seebär in Neuseeland: Focus the horizon, think positive!

Nach einer Weile muss ich runter, um was zu trinken und da überschlägt sich dann auch mein Magen. Und hey, da ist dann auch wieder die Frühstücksbanane. Kurz vor Ende der 2,5 stündigen Fahrt kündigt sich dann nochmal der Magen an und ich bin heilfroh, als wir endlich in der Lagune sind. Es ist ein tropischer Traum von Insel – das Wasser azurblau! Es gibt kein schöneres Blau!

Die Personen an Bord sind in 5 Gruppen eingeteilt. Wir sind in der Delphingruppe mit circa 20 Personen und drehen erstmal eine Runde übers Riff mit dem Glasbodenboot. Bald taucht eine Green Sea Turtle in einer Turtle Cleaning Station auf, unweit davon eine noch relativ junge, kleine Schildkröte und dann noch eine nicht so häufig vorkommende Loggerhead Turtle. Der Bootsführer ist eine echte Spaßkanone und hätte Stimme und notwendigen Humor um YouTube Videos zu drehen – turtally awesome! Und auskennen tut er sich auch noch. Die Riffs am südlichen Ende des Great Barrier Reef sind noch sehr gesund und wenig von der Korallenbleiche betroffen. Eine Form der Korallenbleiche kommt daher, dass die Algen, die Teil des Stein-Pflanze-Tiers Koralle sind, übermäßig Giftstoffe produzieren, die der Tier-Teil der Koralle nicht mag und die Algen abstößt. Die Alge ist aber gleichzeitig Lieferant von 90% der Nahrung für die Koralle und sobald sich das Tierchen erholt hat, kann es wieder Algen ansiedeln lassen. D.h. Nur weil eine Koralle mangels Algen (die die Farbe geben) ausbleicht heißt es nicht, dass sie dem Tod geweiht ist. Außerdem gut zu wissen: In der Tiefe sehen Korallen und die sonstige Flora und Fauna immer farbloser aus, weil das Wasser die Farben herausnimmt. Zuerst verschwindet das Rot und zuletzt das Blau. Fotografen arbeiten deshalb mit Lampen unter Wasser, um die nötigen Farben zu bekommen – und wissen natürlich, wo die tollsten und schönsten Korallen zum Fotografieren sind. Ein Stückchen weiter finden wir außerdem Nemo und einen Stachelrochen. Dem Stachelrochen gefällt es immer ganz gut unter dem schattigen Boot. Nemo lebt in einer Symbiose mit den Anemonen, die für alle anderen Lebewesen giftig sind. Die Anemonenfische reiben sich von Lebensbeginn an den Anemonen und nehmen die Stoffe auf. Dadurch denkt die Anemone, dass der Fisch eh nur eine andere Anemone ist und sticht nicht.

Dann werden wir auf der Insel abgeladen, wo Natalie, eine begeisterte Naturforscherin uns Schildkrötenspuren zeigt, die in der Nacht in den Dünen Eier gelegt haben. Wir gehen weiter und sehen die ziemlich einzigen Bewohner der Koralleninsel, die Tölpel (Black Noddy Terns). D.h. Sie können hier ein recht entspanntes Leben führen ohne Raubtiere. Und nach einer Überpopulation Vögel riecht es hier auch und ein paarmal auf dem Weg durch den Wald wird die Gruppe auch fast von Vogeldreck getroffen. Einen natürlichen Feind haben die Vögel allerdings: die Pisonia Bäume, auf denen sie brüten. Die Samen der Bäume sind so klebrig, dass sie sich im Gefieder festsetzen können und den Vogel flugunfähig machen kann, d.h. er verdurstet und verhungert. Denn sowohl Wasser als auch Essen holt er sich aus dem Meer. Ziemlich cool: Er kann in einer Art Kiemen das Salzwasser entsalzen und so Süßwasser zum Trinken haben. Und die Bäume auf der anderen Seite, die nur tote Korallen unter sich haben, holen sich ihre Nährstoffe zum Wachsen aus Vogelkot (Guarana) und toten Vögeln. Und so wird die idyllische Insel ohne giftige Tiere am Ende doch zu einem Vogelfriedhof. In der Lagune sehen wir dann noch ein Rudel Black-tipped Riffhaie – auch ein Zeichen eines gesunden Ökosystems, denn diese sind faul und essen nur die kranken und langsamen Fische.

Wir kehren zum Mittagessen an Bord zurück, wo es ein kaltes Buffet aus verschiedenen Salaten, Reis, Nudeln, Scampis und Hähnchen gibt. Zum Glück hat sich mein Magen wieder beruhigt. Und dann geht’s ab zum Schnorcheln, yeay! 1,5 Stunden haben wir dafür Zeit und schauen gleich nach Schildkröten in den Cleaning Stations, wo sich die Schildkröten in einer Symbiose mit kleinen Fischen reinigen lassen. Wer seinen Job nicht gut macht, wird gefressen. Und die Schildkröten lassen nicht lange auf sich warten. Kurz sehen wir sogar 2 Schildkröten auf einem Fleck. Daneben sehen wir viele kleine bunte Fische – auch nochmal Nemo mit seinem Dad-, Giant Clams, tiefblaue Seesterne und Maori Wrassen. Von den Great Barrier Reef Great Eight können wir damit abhaken: Whales, Turtles, Sharks, Clownfish, Giant Clams, Rays, Maori Wrasse. Fehlt nur noch der Potato Cod, aber sind wir ehrlich: So hübsch ist der auch nicht.

Ziemlich luxuriös: An Bord gibts sogar eine Süßwasserdusche. Danny schickt dann alle aufs Sonnendeck zum Abtrockenen. Es wird kein Prozent Feuchtigkeit im Schiff geduldet. Vor der Rückfahrt nehmen wir dann noch Anti-Übelkeitsmedizin ein und gehen gleich aufs Sonnendeck. Die Rückfahrt dauert zwar wieder 2,5 Stunden, kommt uns aber viel kürzer vor. Der Wind scheint stärker, wir legen uns flach auf das Deck und dösen. Am Ende hat sich eine Gruppe Kinder um Danny geschart und er erzählt – ziemlich amüsant seine Lebensweisheiten und dass die Kinder beruflich mal das machen sollen, was ihnen gefällt.

Wir verlassen nach Ankunft im Hafen gleich die Gegend, weil wir am nächsten Abend in Airlie Beach sein wollen. Irgendwo in der Prärie kurz nach Sonnenuntergang halten wir an einem Picknickplatz. Leider geht der Grill nicht und auch sonst ist alles recht hinterwäldlerisch. Wir machen nochmal Raps – dann eben in der Pfanne im Bus. In Tannum Beach stellen wir uns am Strand neben den Surf and Live Saving Club, und schlafen gen 21 Uhr sofort ein.

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